Zentral oder dezentral: der eine Unterschied, aus dem alle anderen folgen
Bei KNX liegt die Logik in den Geräten selbst. Ein Taster weiß, auf welche Gruppenadresse er sendet, ein Aktor weiß, auf welche er hört, und beide brauchen dazu nichts Drittes. Das ist im Standard so festgelegt: KNX ist seit 1994 in EN 50090 und international als ISO/IEC 14543-3 genormt, und die Norm beschreibt ausdrücklich ein System ohne zentrale Steuerkomponente.
Bei Loxone liegt die Logik im Miniserver. Er ist die zentrale Steuereinheit, an ihm hängen die Extensions über die Link-Schnittstelle, an denen wiederum Tree- und Air-Geräte hängen. Ein Taster meldet dorthin, der Miniserver entscheidet, und er schickt den Schaltbefehl zurück an den Aktor.
Das klingt nach einer Detailfrage der Verdrahtung, ist aber die Weiche, an der sich fast jeder weitere Unterschied entscheidet: wer die Programmierung macht, was ein Ausfall bedeutet, wie lange sich das System erweitern lässt und wie leicht sich der Hersteller wechseln lässt.
Was passiert, wenn die Zentrale ausfällt
Fällt in einer KNX-Anlage ein Aktor aus, bleibt sein Kreis dunkel und sonst nichts. Jeder andere Taster und jeder andere Aktor arbeitet weiter, weil keiner von beiden auf ein drittes Gerät angewiesen ist. Fällt eine Spannungsversorgung aus, steht die Linie, an der sie hängt, und die übrigen Linien laufen.
Der Ausfall einer Zentrale trifft dagegen das ganze Gebäude, weil dort die Verknüpfung zwischen Taster und Aktor liegt. Loxone bietet für kritische Anlagen die Kopplung mehrerer Miniserver über Gateway und Client an, das ist aber eine Entscheidung, die beim Planen fallen muss und Geld kostet, keine Eigenschaft des Systems.
Für die Praxis heißt das nicht, dass das eine sicher und das andere unsicher wäre. Es heißt, dass die Frage bei KNX gar nicht gestellt werden muss und bei einer zentralen Architektur beantwortet gehört, bevor der erste Kanal belegt wird.
Offenheit: ein Standard mit vielen Herstellern gegen ein System aus einer Hand
KNX ist ein Standard, kein Produkt. Hinter ihm stehen über 500 Mitgliedsfirmen, und es gibt über 8.000 zertifizierte Produkte. Allein in Deutschland sind es 150 Hersteller und 23.000 Partner aus Handwerk und Systemintegration (knx.de, Stand September 2026). Wer einen Schaltaktor braucht, hat die Wahl zwischen Dutzenden, und sie arbeiten im selben Projekt zusammen, ohne dass ein Gateway dazwischen muss.
Loxone ist ein Hersteller. Miniserver, Extensions, Tree-Geräte, Software und App kommen aus einer Hand und sind aufeinander abgestimmt. Das ist der Vorteil und die Bindung zugleich: Es passt zusammen, weil es zusammen entwickelt wurde, und es gibt keinen zweiten Anbieter, bei dem man dieselbe Komponente kaufen könnte.
Für ein Gebäude, das zwanzig Jahre und länger genutzt wird, ist das eine kaufmännische Frage und keine technische. Wer in fünfzehn Jahren einen defekten Aktor tauschen will, braucht bei KNX irgendeinen passenden vom Markt und bei einem herstellergebundenen System genau diesen Hersteller.
Planungssoftware: was sie kostet und wer sie bedienen darf
KNX wird mit der ETS in Betrieb genommen. ETS6 Professional kostet 1.000 Euro netto, die auf 20 Geräte begrenzte ETS6 Lite 200 Euro netto (Stand September 2026, Preise der KNX Association). Die Software ist herstellerübergreifend: Ein Projekt enthält Geräte verschiedener Hersteller, und deren Produktdatenbanken werden in dasselbe Projekt geladen.
Loxone Config ist kostenlos, läuft unter Windows und kommt ohne Lizenzgebühr. Programmiert wird mit Logikbausteinen per Drag-and-drop, eine Programmiersprache braucht es nicht. Der Zugang zum Shop und zu den Partnerkonditionen läuft dagegen über das Partnerprogramm.
Tausend Euro fallen bei einem einzelnen Einfamilienhaus ins Gewicht und bei einem Gewerbeobjekt nicht. Wichtiger als der Betrag ist, dass die ETS ein Werkzeug für den Standard ist und Loxone Config ein Werkzeug für die Produkte eines Herstellers.
Beides zusammen: die KNX Extension
Die Entscheidung ist kein Entweder-oder. Loxone bietet eine KNX Extension an, über die sich bis zu 500 KNX-Gruppenadressen einbinden lassen, senden und empfangen, mit verschiedenen Datenpunkttypen. Damit lässt sich vorhandene KNX-Installation unter einem Miniserver weiterverwenden oder eine KNX-Anlage um Loxone-Funktionen ergänzen.
Die Grenze dieser Brücke ist die Zahl selbst. 500 Gruppenadressen sind für ein Einfamilienhaus reichlich und für ein größeres Objekt schnell knapp, und was über die Extension läuft, hängt danach wieder am Miniserver.
Wer die Systeme mischt, sollte deshalb vorher festlegen, welches die Führung hat. Zwei Systeme, die beide dieselbe Leuchte schalten wollen, sind kein Komfortgewinn, sondern eine Fehlersuche.
Wann welches System passt
Für KNX spricht: das Gebäude wird lange genutzt, es sollen Geräte mehrerer Hersteller zusammenarbeiten, der Ausfall einer Zentrale wäre nicht hinnehmbar, eine Ausschreibung verlangt einen normierten Standard, oder es handelt sich um Gewerbebau. Auch der Wechsel des ausführenden Betriebs ist einfacher, weil jeder KNX-Partner ein bestehendes Projekt in der ETS öffnen kann.
Für Loxone spricht: die Anlage soll schnell und ohne Lizenzkosten für die Software stehen, komplexe Logik und Visualisierung sind wichtiger als Herstellerunabhängigkeit, alles soll aus einer Hand kommen, oder das Budget für Planung und Inbetriebnahme ist knapp.
Was in keinem Fall trägt, ist die Entscheidung nach dem Preis der ersten Komponente. Zu beiden Systemen gehören Planung, Inbetriebnahme und spätere Erweiterung, und diese Posten stehen auf keinem Datenblatt.
Auf einen Blick
- KNX: dezentral, Logik in den Geräten, genormt nach EN 50090 und ISO/IEC 14543-3
- Loxone: zentral, Logik im Miniserver, proprietär und aus einer Hand
- KNX: über 500 Herstellerfirmen, über 8.000 zertifizierte Produkte
- ETS6 Professional 1.000 Euro netto, ETS6 Lite 200 Euro netto; Loxone Config kostenlos
- Brücke zwischen beiden: Loxone KNX Extension, bis zu 500 Gruppenadressen