Was das Programm festlegt, und was nicht
Ein Schaltaktor kann acht Kanäle haben, aber ob daraus acht einfache Schaltausgänge werden oder acht Ausgänge mit Treppenlicht, Szenen, Sperrfunktion und Rückmeldung, entscheidet nicht die Hardware, sondern das Applikationsprogramm. Es bringt die Liste der Kommunikationsobjekte mit und die Parameterseiten, die in der ETS erscheinen.
Die Hardware setzt dabei die Grenze, das Programm nutzt sie aus. Ein Relais, das keinen Strom misst, bekommt auch durch das beste Applikationsprogramm keine Energiemessung. Deshalb bieten viele Hersteller für dieselbe Hardware mehrere Programme an, ein einfaches und ein umfangreiches, und die Wahl gehört in die Planung.
Der Weg in die ETS: die Produktdatenbank
Der Hersteller liefert sein Applikationsprogramm als Produktdatenbank aus, die man von seiner Seite lädt und in die ETS importiert. Seit ETS4 heißt das Format `.knxprod` und ist XML. Ältere Dateien tragen `.vd1` bis `.vd5` und sind Container, die dasselbe enthalten; die ETS kann sie umwandeln.
Erst nach dem Import taucht das Gerät im Produktkatalog auf und lässt sich in ein Projekt ziehen. Ohne passende Produktdatenbank gibt es kein Gerät, auch wenn es physisch längst an der Wand hängt.
Für die Projektdatei gilt die Richtung nur in eine: Ein Projekt lässt sich in dieselbe oder eine neuere ETS-Version importieren, nie in eine ältere. Wer eine Anlage übernimmt, prüft deshalb zuerst, mit welcher Version sie gebaut wurde.
Was beim Programmieren tatsächlich übertragen wird
Die ETS lädt nicht eine Datei, sondern mehrere Dinge nacheinander: die physikalische Adresse, das Applikationsprogramm selbst, die eingestellten Parameter und die Zuordnung der Gruppenadressen zu den Kommunikationsobjekten.
Deshalb dauert das erste Programmieren eines Geräts länger als jedes spätere. Beim zweiten Mal überträgt die ETS nur noch, was sich geändert hat, solange das Applikationsprogramm dasselbe geblieben ist.
Der Versionswechsel kostet die Parametrierung
Bringt ein Hersteller eine neue Version seines Applikationsprogramms heraus, ist das nicht immer ein reines Update. Ändert sich die Struktur der Kommunikationsobjekte oder der Parameter, behandelt die ETS es als anderes Programm, und die Einstellungen des Geräts sind danach weg.
Der Aufwand trifft nicht ein Gerät, sondern alle desselben Typs im Projekt. Bei zwölf gleichen Aktoren ist das ein Nachmittag Arbeit, den niemand eingeplant hat.
Die Regel daraus ist unbequem, aber sie spart die Nachmittage: **Eine laufende Anlage bekommt kein neues Applikationsprogramm, nur weil es eines gibt.** Gewechselt wird, wenn eine Funktion gebraucht wird, die es vorher nicht gab, oder wenn ein Fehler behoben ist, der die Anlage betrifft. Vorher gehört das Projekt gesichert.
Auf einen Blick
- Das Programm bestimmt Kommunikationsobjekte, Parameter und Verhalten, die Hardware setzt die Grenze
- Produktdatenbank: `.knxprod` seit ETS4, davor `.vd1` bis `.vd5`
- Ein Projekt öffnet sich in derselben oder einer neueren ETS-Version, nie in einer älteren
- Programmiert werden Adresse, Programm, Parameter und Gruppenadressen
- Ein Wechsel der Programmversion kann die gesamte Parametrierung kosten