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KNX Zwangsführung und Sperren

Zwangsführung und Sperren sind zwei verschiedene Wege, einem Aktor vorübergehend die Kontrolle zu entziehen. Die Zwangsführung schreibt ihm einen Zustand vor, das Sperren verbietet ihm nur, auf normale Befehle zu hören. Beide werden regelmäßig verwechselt, und die Folge merkt man erst, wenn der Zwang wieder aufgehoben wird.

Der Unterschied in einem Satz, und warum er zählt

Die Zwangsführung sagt dem Aktor, was er tun soll, und lässt nichts anderes mehr zu. Das Sperren sagt ihm nur, dass er nicht mehr zuhören soll, und überlässt seinen Zustand dem Zufall des Moments, in dem gesperrt wurde.

An einem Fensterkontakt am Heizungsaktor sieht man den Unterschied sofort. Mit Zwangsführung fährt das Ventil auf einen festgelegten Wert und bleibt dort, egal was der Raumregler danach sendet. Mit einer Sperre bleibt es einfach dort stehen, wo es gerade stand, und das kann bei offenem Fenster ausgerechnet der volle Heizbetrieb sein.

Für alles Sicherheitsrelevante ist deshalb die Zwangsführung der richtige Weg: Windalarm, Frostschutz, Brandfall, Verriegelung. Sie schreibt einen definierten Zustand vor, statt einen unbekannten einzufrieren.

Warum DPT 2.001 zwei Bit braucht

Ein normaler Schaltbefehl ist ein Bit: an oder aus. Die Zwangsführung braucht eine Aussage mehr, nämlich ob der Zwang überhaupt gilt. Genau dafür gibt es DPT 2.001, „1-bit controlled": Das eine Bit trägt den Wert, das andere sagt, ob er erzwungen wird.

Damit lassen sich vier Zustände senden. Zwang aus und der Aktor arbeitet normal weiter, oder Zwang ein mit dem Wert, den er halten soll. Ein Sperrobjekt dagegen ist ein gewöhnliches 1-Bit-Objekt, weil es nur zwei Zustände kennt.

Manche Aktoren bieten die Zwangsführung auch als reines 1-Bit-Objekt an. Dann steht der erzwungene Zustand fest in den Parametern, und das Telegramm schaltet den Zwang nur ein und aus. Das ist einfacher zu verdrahten und unflexibler, weil sich der Zielzustand später nur in der ETS ändern lässt.

Die Falle liegt im Aufheben, nicht im Setzen

Was ein Aktor tut, nachdem der Zwang wegfällt, ist eine eigene Einstellung, und sie wird beim Parametrieren gern übersehen. Übliche Möglichkeiten sind: den Zustand halten, den er unter Zwang hatte, in den Zustand von vorher zurückkehren, oder den Wert nachführen, der zwischenzeitlich auf dem normalen Objekt eingetroffen ist.

Beim Windalarm ist das der Unterschied zwischen einer Jalousie, die nach dem Sturm oben bleibt, und einer, die von selbst wieder in die Beschattung fährt. Beides kann richtig sein, aber nur eines ist gewollt, und welches, entscheidet sich in der ETS und nicht am Gerät.

Was gilt, wenn zwei Quellen zugleich zwingen wollen

Sobald mehrere Funktionen dasselbe Gerät übersteuern können, braucht es eine Rangfolge. Windalarm muss über Beschattung stehen, Frostschutz über Nachtabsenkung, und ein Brandfall über allem. Die meisten Aktoren bringen dafür eine feste Reihenfolge mit, die im Handbuch steht und nicht verhandelbar ist.

Wer sie nicht kennt und stattdessen zwei Zwangsobjekte parallel benutzt, bekommt ein Verhalten, das von der Reihenfolge der Telegramme abhängt. Das ist der Fehlertyp, der auf der Baustelle nie auftritt und im ersten Sturm schon.

Auf einen Blick

  • Zwangsführung schreibt einen Zustand vor, Sperren friert den aktuellen ein
  • Für Sicherheitsfunktionen immer Zwangsführung, nie Sperren
  • DPT 2.001 hat zwei Bit: einen Wert und die Aussage, ob er erzwungen wird
  • Das Verhalten nach dem Aufheben ist eine eigene Einstellung
  • Bei mehreren Zwangsquellen gilt die Rangfolge des Aktors aus seinem Handbuch

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